KleeneDrei
preiswerte 3-Wege Kompaktbox mit Air Motion Hochtöner
auch als Bassreflex-Standbox-Version
© 2020/21
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Nach FetteDrei und SchlankeDrei war noch eine kleine kompakte 3-Wege-Box zur Vervollständigung der Serie Drei überfällig. Auch diesmal lagen wieder ähnlich hohe klangliche Entwicklungsziele zu Grunde. Ein besseres Auflösungsvermögen und gleichmäßigeres Rundstrahlverhalten mussten auch bei dieser Konstruktion den gegenüber 2-Wege-Systemen deutliche höheren Aufwand rechtfertigen. Drei Wege nur des dritten Weges wegen - wie bei vielen Instustrietypen oft anzutreffen - kommen hier gar nicht in Frage. Gleichwohl sollten sowohl preislich als auch von den Gehäusemaßen her diesmal nur kleinere Brötchen als bei den anderen Boxen der Serie Drei gebacken werden. Etwas leicht anderes als das Übliche durfte es jedoch auch bei dieser Box dennoch sein. So wurde bei der Grundform eine Anleihe bei kleinen Abhörmonitoren genommen und im Hochtonzweig ein in dieser Preislage selten verwendeter Air Motionen Transformer gewählt.

Das Ergebnis war die KleeneDrei.


Als Tieftöner kommen der 8 Zoll DC-200/8 von Dayton, als Mitteltöner ein modifizierter Visaton FR-10/4 Breitbänder und als Hochtöner der Omnes Audio AMT-50 (baugleich mit Harwood Acoustics AM-20 ) zum Einsatz.

Bestückung


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Der Dayton DC-200/8 ist ein solider, sehr preiswerter und aufgrund seiner Parameter flexibel verwendbarer 20-Zentimeter Tieftöner, der schon in kleinen geschlossenen Arbeitsvolumina eine recht tiefe Abstimmung ermöglicht. Mit ca. 12 Liter Nettoeinbauvolumen einer geschlossenen Box erreicht man mit dem DC-200/8 bereits eine untere Grenzfrequenz von knapp 40 Hz. Zwar würde dieser Tieftöner in einem Bassreflex-Gehäuse noch deutlich tiefer reichen, dies würde ihn jedoch höher belasten und zudem ein Nettovolumen von über 35 Liter erfordern. Für die KleeneDrei war das kleine Arbeitsvolumen und damit ein kompaktes Gehäuse ja eines der Entwicklungsziele. Ferner erlaubt diese Gehäuseauslegung zusammen mit der hochbelastbare 35-Millimeter-Schwingspule auch einen sehr hohen Maximalpegel.

Der Omnes Audio AMT-50 bzw. der baugleiche Harwood Acoustics AM-20 - ein echter Air Motion Transformer - verleiht der Box eine in dieser Preisklasse selten zu findende Extravaganz und sorgt für ein fein aufgegliedertes Hochtonerlebnis.

Für die Lückenschließung zwischen dem Tieftöner und dem Hochtöner musste nun ein guter Mitteltöner gefunden werden der das knappe Budget nicht sprengt. Aufgrund des erforderlichen Übertragungsbereich reicht hier grundsätzlich ein 8-10 Zentimeter Mitteltöner aus. Alle hierzu gefundenen Mitteltöner waren für dieses Projekt jedoch preislich deutlich zu hoch angesiedelt. Der Visaton Breitbänder FR-10/4 erfüllt hingegen fast alle Anforderung und ist mit ca. 10,- EUR Stückpreis auch sehr preiswert. Sowohl bei den Messungen als auch den Hörproben des Breitbänders fiel dieser jedoch mit einer etwas unsauberen leicht klirrend wirkenden Wiedergabe im oberen Mitteltonbereich auf. Recht schnell erwies sich der Schwirrkonus als Ursache. Da hier der FR-10/4 jedoch nicht bis in den Hochtonbereich hinein seine Arbeit verrichten muss und lediglich als Mitteltöner dient, lag es auf der Hand, den Schwirrkonus durch Griff zum Skalpel kurzerhand zu entfernen. Das Ergebnis rechtfertigt diesen Schritt völlig. Wer den Schwirrkonus nicht entfernen will, kann durch eine Anpassungen der Tiefpassspule im Mitteltonkreis eine dennoch halbwegs befriedigende Korrektur des Verhaltens des FR-10/4 erreichen, Details siehe Weichenschaltung.

    
Visaton FR-10/4 Original      Visaton FR-10/4 modifiziert

Aus optischen Gründen wurde hier auch der Dichtungsring für die rückwärtige Chassismonatge vom FR-10/4 entfernt. Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass mit jeder Modifikation jede Gewährleistung und Garantie des Verkäufers und Herstellers erlischt. Das Entfernen des Schwirrkonuses und/oder des Dichtungsringes erfolgt daher stets auf eigene Gefahr.

Der Gehäuseaufbau ist sehr einfach; eigentlich eine einfache geschlossene Kiste (36,6 x 32,0 x 25,0 cm BxTxH) aus 18 mm MDF oder Spanplatte mit 12,5 l Nettovoluem für den Tieftöner und einer geschlossenen Kammer (CB) mit 1,5 L Nettovolumen für den Mitteltöner. Alle Chassis sollten aus Gründen der Reduktion von unerwünschten Reflexionen schallwandplan eingebaut werden. Die Lage der Chassis auf der Schallwand wurde nach geringstmöglichen Kanteneinflüssen gewählt. Gleichwohl sollten alle Schallwandkanten mit einer 20-30 Millimeter breiten 45° Fase oder entsprechenden Abrundungen versehen werden. Alle Details siehe Bauskizze.




Bauplan, als PDF siehe hier


Das Gehäuse ist an den Wänden innen mit ca. 5-10 mm starken Filz zu verkleiden und locker mit Polyester Volumenvlies (50 mm stark 300g/m²) zu dämpfen. Die erforderliche Dämpfung hängt auch recht stark vom Wiedergaberaum und Aufstellungsort ab. Hier sollte jeder hinsichtlich der eigenen räumlichen Verhältnisse und seines Geschmacks etwa experimentieren.

Die Frequenzweiche wurde auf eine neutrale Auslegung des Box hin abgestimmt. Im Interesse eines etwas höheren Wirkungsgrades wurde auf eine vollständige Kompensation des Baffle Step verzichtet. Die dadruch bei freier Aufstellung etwas zurückhaltend wirkende Basswiedergabe ist bei wandnaher Aufstellung oder Aufstellung im ansonsten auch gut gefüllten Regal kaum zu merken. Der Bass klingt trocken und spritzig. Wer dennoch eine noch kräftigere Basswiedergabe wünscht, kann dies leicht durch einen aktiven Bass-EQ mit 35 Hz /+6dB erreichen. Die in Bezug auf die jeweilige Membranfäche recht niedrigen Übernahmefrequenzen (400/3000 Hz) sorgen für eine breiten gleichmäßige Abstrahlung. Ein "Kleben" im Schnittpunkt des Stereo-Dreiecks ist daher für einen guten Höreindruch nicht zwingend erforderlich, wenn gleich der Air-Motion-Transformer etwas früher als gute Hochtonkalotten zu bündeln beginnt. Wegen der Anordnung des Mittel- und Hochtöners sollte diese Box für ein optimales klangliches Ergebnis jedoch nur im Querformat betrieben werden. Wer eine etwas dezentere Mitteltonwiedergabe bevorzugt kann dies durch eine leichte Anpassung des Spannungsteiler im Mitteltonzweig erreichen (-2 dB 3,3 Ohm serie / 3,9 Ohm parallel) Für eine etwas präsentere Mitteltonwidergabe (+2 dB) ist der Spannungsteiler vor dem Mitteltöner auf Werte von 1,0 ohm serie / 8,2 Ohm parallel abzuändern. Für eine etwas mehr höhenbetonten Wiedergabe (+ 2 bis +4 dB) ist nur der Parallelwiderstand des Spannungsteilers im Hochtonzweig auf ca. 12 - 22 Ohm anzupassen. Ein Weichen-Update (12/2020) ist weiter unten zu finden.

Die Bauteilqualitäten sind dem Schaltplan der Weiche zu entnehmen. Die Gleichstromwiderstände der Spulen im Basszweig sollten nicht mehr als ca. +10% und - 50% vom angegebenen Wert abweichen. Die Gleichstromwiderstände der Spulen im Mitteltonbereich sollte möglichst eng eingehalten werden, da diese einen erheblichen Einfluss auf den Pegel der Mitteltöners und den Flankenverlauf des Hochpassen haben.

Der optionale 680µF Elko direkt vor dem Basschassis (GHP) hebt den Pegel des Tieftöners zwischen 35 Hz unf 45 Hz um ca. 2,5 dB an und sorgt gleichzeitig für eine deutliche Hubentlastung im Subsonic.

 

Schaltplan der messtechnisch optimierten Frequenzweiche, als PDF siehe hier


Frequenzgang unter 250 Hz aus Nahfeldmessung auf 2,83V/m skaliert


Impedanz


Klang
Die KleeneDrei zeichnet sich durch eine sehr lebendige und natürliche Musikwiedergabe mit einer schönen Räumlichkeit und einem fast perfekten detailgetreuen filigran auflösenden Hochton aus. Die breitbandige Aufteilung der Weiche garantiert stets die detailreiche und gut durchhörbare Wiedergabe des besonders klangwichtigen Mitteltonbereichs. Die Tieftonwiedergabe ist nicht nur in Bezug auf die Gehäusegröße mehr als beeindruckend. Bässe kommen "schwarz" und trocken aus den Boxen. Aber mehr als Worte überzeugt eine Hörprobe...




Version II (Update 12/2020)
Nach diversen Nachbauten ergab sich der Wunsch nach geringeren Verzerrungen bei höheren Pegeln und einer neutraleren Hochtonwiedergabe. Durch Änderung der Übernahmefrequenz des Hochtöners auf 4 kHz konnte die Belastung des Tweeters gesenkt werden. Dies ermöglicht nicht nur einem etwas höheren Maximalpegel, sondern senkt auch die Verzerrungen des Hochtöners vernehmlich. Die in der ersten Weichenversion noch vorhandene leichte Hochtonbetonung wurde bei der Version II zu Gunsten einer auch im oberen Frequenzbereich neutralen Abstimmung geändert. Wenn auch mit dieser Version II eine leichte Betonung des oberen Hochtonbereichs gewünscht ist, läßt sich dies durch Anpassung des parallel zum 10-Ohm-Spannungsteilerwiderstand liegenden 1 µF Kondensators auf Werte bis 3,3 µF erreichen. Wer eine etwas dezentere Mitteltonwiedergabe bevorzugt kann dies durch eine leichte Anpassung des Spannungsteiler im Mitteltonzweig erreichen (-2 dB 2,2 Ohm serie / 5,6 Ohm parallel) Für eine etwas presentere Mitteltonwidergabe (+2 dB) ist der Spannungsteiler vor dem Mitteltöner auf Werte von 0,47 ohm serie / 8,2 Ohm parallel abzuändern.


Schaltplan der überarbeiteten Frequenzweiche KleeneDrei Version II, als PDF siehe hier



Frequenzgang V.2 unter 250 Hz aus Nahfeldmessung auf 2,83V/m skaliert


Impedanz V.2


Update Version mit 19 mm Gewebekalotte
Des weiteren drängte sich der Seas 19TF H1069 (NoFerro12)  mit seinem extrem guten Preisleistungsverhältnis als qualitativ hochwertige Alternative für den Hochtonbereich auf. Bei Verwendung der Kalotte ist mit nur sehr kleinen klanglichen Abstrichen auch ein wechselseitiger Betrieb der Box sowohl im Quer- als auch im Hochformat gleichermaßen möglich. Der Seas 19TF H1069 hat sich zudem in diversen Tests (HOBBY HiFi 3/2001, KLANG + TON 5/2008) als einer der besten 19 Millimeter Hochtöner erwiesen. Die ferrofluidfreie Gewebekalotte zeichnet sich durch ein kaum glaubhaftes lebendiges aber dennoch sehr harmonisches Klangbild aus und durch die frei im Luftspalt schwingende Spule besitzt er eine sehr niedrige Resonanzfrequenz von 1.200 Hz.

Als technisch baugleicher Ersatz für den Seas 19TF H1069 kann der Seas 19TFF1 H737 nach Entfernung des Ferrofluids aus dem Luftspalt verwendet werden. Mehr...

Der Gehäuseaufbau ist der gleiche wie mit AMT-50, die Kalotte ist an der gleichen Stelle wie der AMT zu plazieren. Lediglich die Frequenzweiche muss etwa angepasst werden.


Schaltplan der messtechnisch optimierten Frequenzweiche mit Seas Gewebekalotte, als PDF siehe hier


Mehr Bass...
KleeneDrei BR-Standbox-Version


Der Dayton DC-200/8 Tieftöner ist bei entsprechend größer gestalteten Gehäuse sehr gut in der Lage, die Wiedergabe in noch deutlich tiefere Regionen zu treiben. Bei Einsatz in einem Bassreflex-Gehäuse, sind 30 Hz auch noch mit Hifi-gerechter Lautstärke zu erreichen. Was lag also näher als der KleenenDrei eine BR-Standbox-Version an die Seite zu stellen.

   
Bauplan für die BR-Standbox-Version, als PDF siehe hier


Das BR-Gehäuse ist etwas anders als die Monitor-Version zu bedämpfen. An allen Innenwände ist die BR-Box mit ca. 5 Zentimeter dicken Steinwollplatte (z.B. Rockwoll Sonorock ) auszukleiden, Beispiel ). Im oberen Bereich des BR-Gehäuses sollte ein kleiner akustischer Sumpf gestopft werden (Skizze zur Dämpfung siehe hier ) ). Der Raum hinter dem Tieftöner und der zum BR-Port sowie der BR-Port selbst BR-Port müssen frei bleiben.

Weiche musste nur wie folgt geringfügig angepasst.


Schaltplan der messtechnisch optimierten Frequenzweiche für die BR-Standbox-Version, als PDF siehe hier



BR-Standbox Version: Frequenzgang unter 250 Hz aus Nahfeldmessung auf 2,83V/m skaliert


BR-Standbox Version: Impedanz


Klanglich überzeugt die KleeneDrei BR-Standbox-Version mit einer sehr tiefen und trockenen Basswiedergabe und das bei ansonsten den gleichen Eigenschaften wie die Monitor-Version.



Kosten pro KleeneDrei ab ca. 170,- EUR (Stand Mai 2021)

technischer Stand: Juni 2021


Prototyp


Tief-, Mittel- u. Hochtöner


Mitteltöner


Mittel- u. Teiftöner


Hoch- u. Mitteltöner


Rückseite Weichenfach


Rohbau


Weiche Prototyp


Weiche Version II


Version Kalotte


rechte BR-Standbox Version


rechte BR-Standbox Version


BR-Standbox Version roh


Baumappe (PDF)




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